Schematherapie ist ein integratives, häufig der „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie zugerechnetes Verfahren, dessen Entwicklung sich an den Spezifika jener Patienten ausrichtete, die nicht oder nur unzureichend von der Kognitiven Verhaltenstherapie profitierten. Neben dem „klassischen“ Vorgehen der Kognitiven Verhaltenstherapie werden wichtige Konzepte anderer psychologischer Ansätze integriert. Dazu gehören insbesondere die Bindungstheorie, die Bedürfnisorientierung der humanistischen Therapien, das Verständnis biografischer Aspekte bei der Entstehung psychischer Probleme aus der Tiefenpsychologie (insbes. von John Bowlby), der „Teile-Ansatz“ der Transaktionsanalyse, Stuhldialoge und andere emotionsfokussierte Techniken aus erfahrungsorientierten Methoden wie der Gestalttherapie.

Die Schematherapie wurde von Jeffrey Young (New York) entwickelt und von David Bernstein (Maastricht) für forensische Patienten adaptiert. Von 2007 bis 2015 führte Bernstein in Holland eine multizentrische Studie (n = 114 in zwei randomisierten Gruppen) unter Einbezug der meisten forensischen Kliniken des Landes durch. Schematherapie wurde darin mit den in den jeweiligen Kliniken üblichen Standardbehandlungen verglichen. Nach der Auswertung der Ergebnisse wird in den Niederlanden Schematherapie mittlerweile als erstes evidenzbasiertes Verfahren zur Behandlung persönlichkeitsgestörter Patienten im forensischen Setting empfohlen. Eine Veröffentlichung der detaillierten Ergebnisse wird zurzeit von der Arbeitsgruppe um David Bernstein vorbereitet.

Die Schematherapie lässt sich im forensischen Setting sowohl als Einzeltherapie als auch als gruppentherapeutisches Verfahren (begleitet von Einzeltherapie) implementieren. Psychopathie stellt – ebenso wie psychopharmakologische Behandlung – keine Kontraindikation für diese Therapieform dar. Der „Psychopathy“ gilt ein besonderer Schwerpunkt der forensisch-schematherapeutischen Forschung.

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